Dr. med. Thomas Giesen

Facharzt für Innere Medizin

Lungenentzündung

Lungenentzündung

Allgemeines

Eine Lungenentzündung (Pneumonie) ist eine akute oder chronisch verlaufende Entzündung der Lungenbläschen (alveoläre Pneumonie) und/oder des Lungengewebes (interstitielle Pneumonie). Dabei kommt es zu einer Anschwellung und vermehrten Durchblutung des betroffenen Lungenareals. Typischerweise geht die Erkrankung mit einer Flüssigkeitsansammlung im Lungengewebe einher.

Die alveoläre Pneumonie wird - je nach Ausdehnung - wiederum in die Lobär- oder Herdpneumonie unterteilt. Bei der Lobärpneumonie ist meist ein ganzer Lungenlappen bzw. ein ganzes Lungensegment betroffen. Herdpneumonien werden deshalb so genannt, weil ein oder mehrere Entzündungsherde innerhalb eines Lungenläppchens entstanden sind. Eine Lungenentzündung kann aber auch von den Bronchien ausgehen und das umliegende Gewebe angreifen (Broncho-Pneumonie).

An einer Pneumonie erkranken in Deutschland pro Jahr etwa 400.000 Menschen. In Zeiten starker Grippewellen, d.h. speziell im Winter, liegt die Zahl noch deutlich darüber. Zur Risikogruppe gehören v.a. Säuglinge und Kleinkinder sowie ältere Patienten über 60 Jahren und Menschen mit schweren chronischen Erkrankungen. Sie sind durch ihr noch nicht ganz ausgereiftes bzw. geschwächtes Immunsystem besonders anfällig für die Entwicklung einer Pneumonie.

Die Auslöser einer Pneumonie sind meist Bakterien, seltener Viren oder Pilze. Die Erkrankung kann sich in Abhängigkeit vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten und von der Art des Erregers sehr unterschiedlich entwickeln. Ungefähr jede 7. Lungenentzündung verläuft so schwer, dass sie stationär behandelt werden muss. Die Pneumonie ist die häufigste zum Tode führende Infektion in Westeuropa. Sie steht in der bundesweiten Todesursachen-Statistik auf Platz 5, ungefähr 3 bis 5% der Patienten sterben jährlich daran. Besonders gefährlich sind die Erkrankungen, die im Krankenhaus erworben werden, die so genannten nosokomialen Pneumonien. Sie sind meist schwer behandelbar, denn ihre Erreger erweisen sich gegen viele Antibiotika als widerstandsfähig (resistent).

Übertragungswege

Die Erreger einer Lungenentzündung stammen meist entweder aus dem eigenen Nasen-Rachenraum oder werden per Tröpfcheninfektion von anderen Kranken durch Sprechen, Husten oder Niesen übertragen.

Normalerweise verfügt die Lunge über verschiedene Abwehrmechanismen, die das Eindringen von Bakterien, Viren oder anderen Erregern vermeiden sollen. Kleine Flimmerhärchen, die in der Schleimhaut der Atemwege Link sitzen und sich ständig bewegen, verhindern beispielsweise, dass Staubpartikel in die unteren Atemwege bis zu den Lungenbläschen (Alveolen) gelangen und sich dort ablagern können. Falls mit der eingeatmeten Luft doch einmal Partikel die Alveolen erreichen, werden sie üblicherweise von Zellen des Immunsystems abtransportiert und unschädlich gemacht. Sind die Abwehrmechanismen der Lunge gestört, können jedoch Mikroorganismen abgelagert werden und eine Entzündung verursachen. Dieser so genannte aerogene Infektionsweg ist bei weitem der häufigste.

Eine Pneumonie kann aber auch durch ätzende und giftige Gase, verschiedene Medikamente oder durch eine Strahlentherapie ausgelöst werden. Ebenso können Fremdkörper, die versehentlich in die Atemwege gelangen, zur Entwicklung einer Pneumonie (Aspirations-Pneumonie) führen. In seltenen Fällen entsteht eine Lungenentzündung durch Erreger, die auf dem Blutweg (hämatogene Infektion) übertragen und in die Lunge geschwemmt werden.

Erregerspektrum

Während im Erwachsenenalter vorwiegend eine Infektion mit Pneumokokken eine Lungenentzündung zur Folge haben kann, ist das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b (Hib) bei Kleinkindern der häufigste Erreger. Bei Säuglingen dagegen ist Staphylokokkus aureus Haupterreger für eine Pneumonie. Bei Erwachsenen spielen daneben noch Mykoplasmen Legionellen und Chlamydia pneumoniae eine Rolle. Es können aber auch Viren, Pilze oder Parasiten eine Entzündung der Lunge verursachen.

Das Erregerspektrum der nosokomialen Pneumonien (im Krankenhaus erworbenen Lungenentzündungen) unterscheidet sich deutlich von den so genannten ambulant erworbenen Erkrankungen. Verursacher dieser Entzündungen sind v.a. Enterobakterien wie Pseudomonas aeruginosa, Klebsiellen und auch Staphylokokken. Viele stationäre Patienten haben weniger Abwehrkräfte und dadurch einen nur unzureichenden Schutz vor Krankheitserregern. Die Keime im Krankenhaus selbst stellen ein weiteres Problem dar, da sie häufig gegen die gängig verordneten Antibiotika unempfindlich (resistent) geworden und daher in vielen Fällen nur schwer zu behandeln sind.

Risikofaktoren

Sekundäre Pneumonien

Bei verschiedenen Grunderkrankungen besteht die Gefahr, dass sich zusätzlich eine Pneumonie entwickelt. Durch die Grunderkrankung ist die Lunge bereits vorgeschädigt, so dass die Entstehung einer Lungenentzündung begünstigt wird. Man spricht dann von einer sekundären Pneumonie. Die so genannte hypostatische Pneumonie ist die häufigste aller sekundären Pneumonien, die durch schlechte Belüftung und Durchblutung der unteren Lungenfelder ausgelöst wird, zum Beispiel bei bettlägerischen Patienten. Dadurch sind ideale Bedingungen geschaffen, dass sich Bakterien ansiedeln und eine Entzündung hervorrufen können.

Auch bei bereits bestehenden Herzerkrankungen (wie zum Beispiel einer Linksherzinsuffizienz oder nach einem Herzinfarkt) kann sich eine Lungenentzündung entwickeln. Aufgrund des geschädigten Herzens kommt es zu einem Blutrückstau in die Lunge, so dass sich eine so genannte Stauungs-Pneumonie herausbilden kann.

Allgemeine Risikogruppen

An einer Pneumonie erkranken vorrangig Menschen, deren Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt oder bereits geschwächt ist. Dazu zählen v.a. Säuglinge und Kleinkinder sowie ältere Menschen über 60 Jahre, aber auch Patienten mit einer chronischen Herzerkrankung, chronischer Bronchitis, Zuckerkrankheit (Diabetes) oder schweren neurologischen Erkrankungen. Zur allgemeinen Risikogruppe gehören außerdem HIV-Infizierte, Alkoholkranke, Personen, die eine Chemo- oder Strahlentherapie erhalten und Patienten, die künstlich beatmet werden müssen. Hierbei spielt zur Reinigung der Lunge besonders dann der fehlende Hustenstoß eine wichtige Rolle. Durch die Schwächung der Abwehrkräfte erweitert sich bei diesem Personenkreis das Spektrum um weitere Krankheitserreger (z.B. Pilze oder so genannte sonstige Mykobakterien), die beim Gesunden normalerweise keine Lungenentzündung auslösen würden.

Neben diesen allgemeinen Risikopersonen spielen je nach Erregertyp oft aber noch ganz andere Faktoren bei der Entwicklung einer Pneumonie eine Rolle. Eine Pneumonie tritt z.B. auch oft als Komplikation anderer Krankheitsbilder wie z.B. einer Virusgrippe (Influenza) oder bei Masern auf.

Krankheitsbild

Eine Lungenentzündung kann sehr unterschiedlich verlaufen. Dies hängt v.a. vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten und vom Erregertyp ab.

Klassische bakterielle Pneumonie

Die typische durch Pneumokokken hervorgerufene Lungenentzündung tritt meist während der kalten Jahreszeit auf und wird vorrangig bei älteren oder bereits vorerkrankten Personen beobachtet. Oftmals geht der Erkrankung ein Infekt im Hals- oder Rachenbereich voraus. Häufig beginnt die klassische Pneumonie dann mit Schüttelfrost und Fieber über 38,5°C, das nicht selten bis zu 40°C ansteigen kann. Die Patienten machen meist einen sehr kranken Eindruck. In der Regel stellt sich auch schon nach kurzer Zeit Husten ein. Anfänglich ist er noch trocken, aber nach einer Weile wird Schleim abgehustet, der grün, gelb, braun oder rostfarben ist.

Auffällig ist bei den Betroffenen eine meist oberflächliche, angestrengte und schnelle Atmung (Tachypnoe). In Abhängigkeit von der betroffenen Lungenseite ist die Atembewegung deutlich eingeschränkt. Häufig klagen die Patienten über Brustschmerzen v.a. beim Einatmen, die durch eine Begleitentzündung des Lungenfells entstehen. Bei einigen Patienten kommt noch eine Atemnot hinzu, die sich durch das so genannte Nasenflügeln ausdrückt. Das Nasenflügeln ist v.a. bei kleinen Kindern ein sicheres Indiz, dass sie unter Atemnot leiden. Aufgrund der oberflächlichen und schnellen Atmung ist die Sauerstoffversorgung nicht mehr optimal gewährleistet. Gelegentlich kann man den daraus resultierenden Sauerstoffmangel an Lippen, Nase, Zehen- oder Fingernägeln sehen, die dann bläulich bis violett erscheinen (Zyanose). Die Infektion kann aber auch ganz untypisch mit langsamer Verschlechterung des Allgemeinzustandes verlaufen.

Atypische Pneumonie

Die atypische Pneumonie wird zum größten Teil durch Viren und/oder so genannte Mykoplasmen hervorgerufen. Im Gegensatz zur Pneumokokken-Pneumonie entwickeln sich die Beschwerden viel langsamer, so dass die Ausbildung des vollen Krankheitsbildes meist mehrere Tage dauert. Die Patienten sind im Allgemeinen jünger und gesünder als bei der klassischen Lungenentzündung. Bei der atypischen Pneumonie stehen Kopf- und Gliederschmerzen im Vordergrund, wobei der Allgemeinzustand in der Regel wenig beeinträchtigt ist. Schüttelfrost kommt nur selten vor, die Fieberkurve verläuft wenig ansteigend und erreicht kaum Werte über 38,5°C. Die Betroffenen leiden viel seltener unter Atemnot als dies bei der klassischen bakteriellen Lungenentzündung der Fall ist. Des Weiteren klagen auch nur sehr wenige Patienten über atemabhängige Schmerzen. Der Husten ist trocken und langanhaltend, ein so genannter unproduktiver Reizhusten, d.h. es wird kein Schleim abgehustet. Bei Kindern ist häufig eine Trommelfellentzündung zu beobachten.

Besondere Formen:

Legionellen-Pneumonie (Legionärskrankheit)

Legionellen können durch Klimaanlagen, Duschen oder Bäder übertragen werden. Dies ist v.a. dann der Fall, wenn das Wasser nicht über 60°C erwärmt werden kann. Gefährdet sind v.a. ältere Menschen, Patienten mit Zuckerkrankheit (Diabetes) oder einem geschwächten Immunsystem. Bei weniger als 10% der Infizierten entwickelt sich eine Lungenentzündung mit hohem Fieber, atemabhängigen Brustschmerzen und Blutbeimengungen im Auswurf.

Chlamydien-Pneumonie

Die Krankheitsanzeichen einer Chlamydien-Pneumonie entsprechen einer atypischen Pneumonie. Bei dieser Form der Pneumonie steht ein hartnäckiger, meist trockener Husten im Vordergrund. Häufig klagen die Patienten auch über Fieber und Muskelschmerzen. Wenn die Erkrankung nicht richtig oder gar nicht behandelt wird, ist sie oft sehr langwierig (Dauer bis zu 3 Monaten). Auch die Erreger der so genannten Ornithosen bzw. Psittakosen gehören zu den Chlamydien. Falls im Haus des Patienten Papageien oder andere Vogelarten vorkommen, sollte immer auch an die Papageienkrankheit (Psittakose) gedacht werden.

Besonderheiten im Kindesalter

Kinder mit Lungenentzündung wirken meist sehr matt, sehen blass und krank aus. Oft schwitzen sie stark. Ebenso wie im Erwachsenenalter treten häufig die typischen Symptome wie Husten, Schüttelfrost, schneller Puls, angestrengte und schnelle Atmung (Tachypnoe), Atemnot (Dyspnoe) und das damit einhergehende Nasenflügeln auf. Letzteres ist insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern ein deutliches Zeichen für eine schwere Lungenentzündung. Der Husten ist anfangs oft trocken, quälend und schmerzhaft. Nach einigen Tagen bildet sich meist grünlicher Schleim, den ältere Kinder abhusten, während Säuglinge ihn verschlucken und sich daran erbrechen können. Bei Kindern fallen auch häufig Hauteinziehungen des Brustkorbs, Bauchschmerzen, Übelkeit sowie Ohrenschmerzen (Mittelohr-, Trommelfellentzündung) auf. Kleine Kinder haben v.a. bei einer bakteriellen Pneumonie hohes Fieber, während bei Pneumonien durch Viren und Mykoplasmen die Fieberkurve kaum Werte über 38,5°C übersteigt.

Eine Lungenentzündung kann bei Kindern aber auch völlig uncharakteristisch verlaufen, gerade bei Säuglingen kann der Allgemeinzustand mit nur leicht erhöhter Temperatur kaum beeinträchtigt sein. Erkrankte Säuglinge und Kleinkinder werden in der Regel stationär behandelt.

Oft ist eine Lungenentzündung die Folge einer Erkältungskrankheit, z.B. Bronchitis, sie tritt aber auch als Komplikation bei Masern oder Mukoviszidose auf. Bei Säuglingen und Kleinkindern zählen die Bakterien Staphylokokkus aureus, Haemophilus influenzae Typ b (Hib) und Pneumokokken zu den häufigsten Erregern. Im ersten Lebensjahr sollten Kinder mit einer viermaligen Impfung, die noch gegen weitere Krankheiten immunisiert, gegen Hämophilus influenzae Typ b (Hib) geschützt werden. Gegen Pneumokokken können Kinder ab dem vollendeten 2. Lebensmonat geimpft werden.

Komplikationen

Komplikationen einer Pneumonie können sowohl in der Lunge als auch in anderen Organen auftreten. Eine der schwerwiegendsten Komplikationen ist die so genannte respiratorische Insuffizienz. Dabei ist der Patient nicht mehr in der Lage, selbstständig zu atmen und genügend Sauerstoff aufzunehmen. Ein schwerer Sauerstoffmangel ist die Folge. Eine Blutvergiftung (Sepsis) zählt ebenfalls zu den schlimmsten Komplikationen. Dabei werden die Erreger im ganzen Körper gestreut, so dass es in vielen Organen zu Entzündungen kommt. Beide Komplikationen erfordern unbedingt eine intensivmedizinische Behandlung mit ggf. maschineller Beatmung Link zu HN-Kapitel Beatmung.

Aus jeder akuten Pneumonie kann sich eine chronische Entzündung mit langwierigem Verlauf entwickeln. Durch solch eine chronische Pneumonie kann es zu Aussackungen der Bronchien (Bronchiektasen) kommen, die wiederkehrende Entzündungen oder auch Lungenblutungen nach sich ziehen können. Als Folge der entzündlichen Reaktionen vernarbt das Lungengewebe, das dann weniger dehnbar ist.

Da Patienten mit einer schweren Pneumonie lange Zeit ans Bett gefesselt sind, können sich u.U. Thrombosen (Verschluss einer Vene durch einen Blutpfropfen) bilden. Im ungünstigsten Fall kann solch ein Thrombus in den Blutstrom verschleppt werden und in der Lunge ein Gefäß verschließen (Embolie).

Infolge einer Pneumonie kann es auch zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder zu einer Eiteransammlung im Gehirn (Hirnabszess) kommen. Außerdem sind entzündliche Veränderungen an Herz, Gelenken und Knochen zu befürchten.

Therapie

Die Behandlung einer Lungenentzündung richtet sich nach ihrer Ursache bzw. dem Erregertyp und den dadurch ausgelösten Beschwerden. Sie umfasst sowohl allgemeine als auch medikamentöse Maßnahmen.

Allgemeine Maßnahmen

In jedem Fall sollten sich Patienten mit einer Pneumonie körperlich schonen, bei Fieber wird der behandelnde Lungenfacharzt Bettruhe empfehlen. Bei besonders schweren Verläufen ist sogar eine Einweisung ins Krankenhaus erforderlich. Davon betroffen sind vorrangig ältere und immungeschwächte Personen sowie Kleinkinder. Denn bei ihnen stellt sich schnell eine Atemnot mit Sauerstoffmangel ein, was eine zusätzliche Sauerstoffgabe oder im schlimmsten Fall sogar eine Beatmung notwendig macht.

Patienten mit einer Lungenentzündung sollten viel trinken. Dies ist v.a. dann wichtig, wenn Mittel zur Schleimlösung eingenommen werden.

Mittels Atemgymnastik und einer regelmäßigen Klopfmassage (Abklopfen des Brustkorbs) können die Beschwerden einer Pneumonie ebenfalls gelindert werden.

Medikamentöse Therapie

In den meisten Fällen muss man bei einer Pneumonie mit einer medikamentösen Behandlung beginnen, bevor der genaue Krankheitserreger bekannt ist. Deshalb werden so genannte Breitspektren-Antibiotika verschrieben. Dabei handelt es sich um Medikamente, die gegen viele der möglichen Keime wirksam sind. Sobald der Erreger bekannt ist, wird u.U. das bis dahin eingesetzte Antibiotikum gegen ein noch gezielter wirkendes ausgetauscht.

Die klassische Lungenentzündung durch Pneumokokken wird meist mit Penicillin behandelt. Der im Kindesalter häufig verbreitete Erreger Haemophilus influenzae Typ b (Hib) kann durch Ampicillin oder Amoxicillin erfolgreich bekämpft werden. Pneumonien, die durch Chlamydien, Mykoplasmen oder Legionellen hervorgerufen werden, sind mit so genannten Makroliden gut therapierbar.

Die Behandlung mit Antibiotika beschränkt sich nur auf Pneumonien, die durch Bakterien verursacht werden. Eine durch Viren ausgelöste Lungenentzündung kann in ihrem Verlauf medikamentös eigentlich nicht beeinflusst werden, so dass man sich auf allgemeine Maßnahmen beschränkt und versucht, Komplikationen zu vermeiden. Häufig entwickelt sich hier aber eine so genannte bakterielle Superinfektion (zusätzliche Infektion mit Bakterien), die eine Antibiotika-Gabe wiederum erforderlich macht.

Leiden die Patienten an einem produktiven Husten (d.h. bilden sie viel zähen Schleim, der sich nur schwer abhusten lässt), bekommen sie so genannte Sekretolytika verschrieben. Dabei handelt es sich um Medikamente, die den Schleim in der Lunge lösen und verflüssigen sollen, damit er besser abgehustet werden kann. Ist der Husten dagegen trocken, wie dies bei einer atypischen Pneumonie meist der Fall ist, können so genannte Antitussiva den Hustenreiz unterdrücken. Es ist wichtig zu wissen, dass man Sekretolytika und Antitussiva niemals kombiniert einnehmen darf, da ansonsten der gelöste Schleim nicht abgehustet werden kann und sich eine bereits bestehende Atemnot noch verschlimmern würde.

Vorsorge

Impfschutz

Eine Impfung gegen Pneumokokken wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut derzeit für alle Personen ab dem 60. Lebensjahr im Abstand von sechs Jahren empfohlen. Falls Sie häufig unter Infekten der oberen Atemwege leiden, Ihr Immunsystem geschwächt ist oder Sie chronisch erkrankt sind (z.B. Diabetes, Herzerkrankungen, chronische Bronchitis, Nierenschäden, AIDS, Alkoholiker), können und sollten Sie sich laut STIKO auch gegen Pneumokokken impfen lassen. Personen, denen die Milz entfernt wurde (Splenektomie), wird ebenfalls eine vorbeugende Impfung gegen diese Keime empfohlen, um das Risiko für eine Lungenentzündung deutlich zu senken.

Die Impfung gegen Pneumokokken wird von der STIKO auch für Kinder (ab dem vollendeten 2. Lebensmonat) und Jugendliche mit Grunderkrankungen (z.B. Asthma) oder mit einem erhöhtem Gesundheitsrisiko empfohlen. Ein erhöhtes Gesundheitsrisiko besteht für Frühgeborene (< 38. Woche), Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 2.500 g sowie für Säuglinge und Kinder mit Gedeihstörungen oder neurologischen Erkrankungen (z.B. Epilepsie). Bei Säuglingen und Kleinkindern bedarf es zur Grundimmunisierung mehrerer Injektionen, die bei Kindern bis zu 10 Jahren alle 3 Jahre aufgefrischt werden muss.

Gefährdete Säuglinge und Kinder (vom vollendeten 2. Lebensmonat bis zum vollendeten 5. Lebensjahr) erhalten Pneumokokken-Konjugat-Impfstoff nach folgendem Schema:

• Säuglinge ab dem vollendeten 2. Lebensmonat bis zu einem Alter von 6 Monaten: 3 Impfungen im Abstand von jeweils 1 Monat, gefolgt von einer 4. Impfung im 2. Lebensjahr

• ungeimpfte Säuglinge im Alter von 7–11 Monaten: 2 Impfungen im Abstand von 1 Monat, gefolgt von einer 3. Impfung im 2. Lebensjahr

• ungeimpfte Kinder im Alter von 12–23 Monaten: 2 Impfungen im Abstand von 2 Monaten

• ungeimpfte Kinder im Alter von 24–59 Monaten: 1 Impfung

Personen mit fortbestehender gesundheitlicher Gefährdung können ab vollendetem 2. Lebensjahr Polysaccharid-Impfstoff erhalten. Bei den – wie empfohlen – zuvor mit Konjugat-Impfstoff geimpften Kindern sollte der Mindestabstand zur Impfung mit Polysaccharid-Impfstoff 2 Monate betragen.

Bei Erwachsenen ist eine einmalige Injektion ausreichend. Der Impfschutz beginnt ungefähr drei Wochen nach der Impfung und hält sechs Jahre an. Eine Pneumokokken-Impfung hebt die Überlebenschancen von Risikogruppen um bis zu 80 bis 90 Prozentpunkte an. Die Kosten für die Impfung werden bei gesetzlich krankenversicherten Risikopatienten in der Regel von den Kassen übernommen.

Vor den Erregern einer Grippe (Influenza-Viren), die meist in der kalten Jahreszeit Erkrankungen auslösen, können Sie sich durch eine jährliche Impfung schützen. In Folge einer Grippe (Influenza) kann es vor allem bei abwehrgeschwächten Patienten zur Entwicklung einer Lungenentzündung kommen. 80% dieser Pneumonien werden durch eine zusätzliche bakterielle Infektion, z.B. mit Pneumokokken, hervorgerufen.

Allgemeine Vorsorge-Tipps

Generell können die Atemwege durch folgende Maßnahmen geschützt werden:

- Nicht rauchen

- Raumklima optimieren

- Vitamin C-Aufnahme (Gemüse, Obst)

- Ausreichende Bewegung an frischer Luft