Dr. med. Thomas Giesen

Facharzt für Innere Medizin

Herzinfarkt

Der Herzinfarkt

Der Herzinfarkt (Fachbegriff: Myokardinfarkt) ist ein lebensbedrohliches Ereignis, verursacht durch einen plötzlichen vollständigen Verschluss eines Herzkranz¬gefäßes. Schnelles Handeln ist beim akuten Herzinfarkt entscheidend: Denn verschließt eines der 3 großen Herzkranzgefäße (Koronararterien), wird ein Teil des Herzmuskels nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Gelingt es nicht, das Gefäß innerhalb weniger Stunden wieder zu eröffnen, stirbt das Muskelgewebe, das von der Blutzufuhr abgeschnitten ist, ab. Das betroffene Gewebe wird als Infarkt bezeichnet. Je größer das verschlossene Gefäß, desto größer auch der Infarkt.

Das Risiko für einen plötzlichen Herztod ist bei akutem Herzinfarkt aufgrund einer möglichen schweren Herzrhythmusstörung (Kammerflimmern) besonders hoch. Auch kann bei einem großen Infarkt die Pumpleistung des Herzens so stark beeinträchtigt sein, dass der Kreislauf mehr oder weniger zusammenbricht; man spricht dann von einem kardiogenen Schockzustand. Daher gilt es, schon bei Verdacht auf einen Herzinfarkt keine Zeit zu verlieren und sofort den Notarzt zu rufen!!

Jährlich erleiden in Deutschland etwa 300.000 Menschen einen Herzinfarkt - fast jeder zweite Betroffene verstirbt, bevor er das Krankenhaus erreicht. Der Herzinfarkt liegt somit hierzulande bei den Todesursachen ganz vorn, wobei die Sterblichkeit bei Frauen höher ist als bei Männern. Frauen sind zwar in jungen und mittleren Lebensjahren durch Östrogene (weibliche Geschlechtshormone) vor einem Herzinfarkt relativ gut geschützt, doch nach den Wechseljahren steigt die Infarktrate bei ihnen an. Da zudem bei Frauen häufiger uncharakteristische Infarkt-Symptome wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auftreten, werden die Beschwerden oft erst spät richtig gedeutet, das Sterberisiko erhöht sich entsprechend.

Viele Infarkte ereignen sich in den Morgenstunden. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass mit Tagesanbruch der Spiegel verschiedener Kreislauf-wirksamer Hormone im Blut ansteigt, wodurch auch Blutdruck und Herzfrequenz höher werden.

Als Risikofaktoren für einen Herzinfarkt gelten:

Rauchen

Bluthochdruck

hohe Blutfettwerte

Diabetes mellitus

Übergewicht

Bewegungsmangel

Stress

Lebensalter: Männer über 45 Jahre, Frauen über 55 Jahre

Erbliche Faktoren: Herzinfarkte, Bypass-OP, Schlaganfall bei Familienangehörigen ersten Grades

Zur Hochrisikogruppe für einen Herzinfarkt gehören vor allem Personen mit besonderer Ausprägung einzelner oben aufgeführter Faktoren oder häufiger noch mit einer Kombination verschiedener Risikofaktoren. Stark gefährdet sind auch Patienten mit bekannter Herzgefäßerkrankung oder Zustand nach Herzinfarkt sowie Patienten mit Arteriosklerose, wie z. B. peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) oder Arteriosklerose der großen Schlagadern.

Unter Berücksichtigung der verschiedenen Risikofaktoren können Sie Ihr persönliches 10-Jahres-Risiko für einen Herzinfarkt online berechnen. Dieser Wert gibt die Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt innerhalb der nächsten 10 Jahre an. Falls Sie Ihre Blutfettwerte (Cholesterin- und Triglyzerid-Werte), die in diesem Test abgefragt werden, nicht kennen, lassen Sie diese von Ihrem Arzt bestimmen. Liegt Ihr 10-Jahres-Risiko über 20% oder treffen mehrere Risikofaktoren auf Sie zu, sollten Sie sich regelmäßig von einem Facharzt für Innere Medizin (Internist) untersuchen und behandeln lassen.

Rauchen: Wer raucht hat ein 2-4 fach erhöhtes Risiko.

Diabetes: Bei Männern 4 fach erhöhtes, bei Frauen 6 fach erhöhtes Risiko.

Übergewicht: Apfeltyp (Bauchform) 2,5 fach erhöhtes Risiko

Bluthochdruck: Steigt der erste (systolische) Wert um 10 mm Hg, nimmt die Gefahr für einen Tod um 17 % zu. Familiäre Belastung: Haben nahe Verwandte bereits vor dem 60 Lj. einen Infarkt erlitten, steigt das Risiko um das 2,5 bis 4,5 fache.

Gefäßinnhautdurchmesser Intima-Media-Komplex

Der Intima-Media-Komplex von 0,9 mm an den Halsgefäßen gilt in den Leitlinien der europäischen Gesellschaften für Hypertonie und Kardiologie (2003) als Endorganschaden.

Da die Verbreiterung von Intima-Media an der A. carotis als Vorstufe auf eine drohende oder evtl. sogar als Hinweis auf eine an anderen Gefäßabschnitten schon bestehende Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) betrachtet werden kann, sollten sämtliche Risikofaktoren für eine Arteriosklerose mit erhöhter Konsequenz behandelt werden.

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Die Ursachen für einen Herzinfarkt

Meist geht einem Herzinfarkt eine Arteriosklerose der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit) voraus. Hierbei sind die Herzkranzgefäße durch fetthaltige, teilweise verkalkte Ablagerungen an den Gefäßwänden, so genannte Plaques, mehr oder weniger verengt. Diese Koronararterien-Sklerose entwickelt sich hauptsächlich dadurch, dass verschiedene schädliche Einflüsse (z.B. Bluthochdruck, Rauchen, Zucker, Fette) auf die empfindliche Innenhaut (Endothel) der Gefäße einwirken.

Diese Schädigung ermöglicht z.B. dem Blutfett LDL-Cholesterin, unter das Endothel in die Gefäßinnenwand einzudringen. Die LDL-Partikel können dort eine Entzündung auslösen. Heilt die Entzündungsreaktion aus, bleiben Bindegewebsnarben und Verkalkungen zurück, die Plaque. Die Gefäßwand wird dicker und beginnt, das Gefäß zu verengen. Neue Entzündungsherde in der Plaque können diese an der Gefäßinnenseite aber auch plötzlich einreißen lassen. Augenblicklich decken Blutplättchen diesen Riss ab. Dabei können sie einen so großen Blutpfropfen (Gerinnsel oder Thrombus) bilden, dass das Blutgefäß an dieser Stelle ganz verschlossen wird, es kommt zum akuten Herzinfarkt.

Nicht arteriosklerotisch-bedingte Ursachen für den Verschluss eines Herzkranzgefäßes sind sehr selten und werden deshalb hier nicht berücksichtigt.

Die Herzinfarkt-Symtome

Ein Herzinfarkt tritt für den Betroffenen meist überraschend auf. Leitsymptom ist der Brustschmerz, der überwiegend hinter dem Brustbein lokalisiert ist. Typisch sind plötzliche, oft in Ruhe auftretende, länger als 15-20 Minuten anhaltende und eventuell auch rasch zunehmende Schmerzen sowie ein Engegefühl und starker Druck im Brustkorb. Die Schmerzen strahlen häufig in die Arme (vermehrt links), in die Schultergegend, in den Unterkiefer oder in den Oberbauch aus. Der Infarktschmerz wird vielfach als unerträglich, vernichtend oder mit dem Gefühl, die Brust werde von einem Schraubstock eingezwängt, beschrieben. Charakteristisch ist auch, dass der Schmerz länger anhält als ein gewöhnlicher Angina-pectoris-Anfall. Die Patienten klagen neben dem ausgeprägten Gefühl der Brustenge, Atemnot, über Todesangst und starke Unruhe. Begleitend treten häufig Schwitzen, Übelkeit und Erbrechen auf. Oft sinkt der Blutdruck, allerdings kann er aufgrund der Stresssituation bzw. der Ausschüttung von Stresshormonen (Adrenalin) auch erhöht bzw. normal sein. Je größer der Infarkt ist, umso schwerer sind in der Regel die auftretenden Symptome.

Beschwerdebild nicht immer gleich - Frauen leiden anders

Doch nicht alle Betroffenen haben die Beschwerden in gleicher Form. Bei Frauen können die typischen Warnzeichen z.B. einen anderen Charakter haben. So werden von ihnen oft vorrangig Schmerzen im Oberbauch, verbunden mit Übelkeit und Erbrechen, angegeben. Manche Herzinfarkte verursachen auch keine („stummer Infarkt"), nur geringe oder untypische Symptome und werden erst nachträglich diagnostiziert, meist anlässlich einer EKG-Untersuchung. Diese Patienten sind häufiger zuckerkrank als Patienten mit charakteristischen Symptomen.