Dr. med. Thomas Giesen

Facharzt für Innere Medizin

Schlaganfall

Der Schlaganfall

Jährlich erleiden in Deutschland rund 200.000 Menschen einen Schlaganfall. Jeder 4. der betroffenen Patienten stirbt innerhalb eines Jahres. Damit ist der Schlaganfall nach dem Herzinfarkt und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Weltweit steht er mittlerweile sogar an zweiter Stelle.

Das Risiko für einen Schlaganfall steigt mit zunehmendem Alter an. Doch auch junge Menschen oder Kinder können von einem Schlaganfall betroffen sein. Als Folge eines Hirninfarkts können bleibende Schäden auftreten, die zu einer dauernden Pflegebedürftigkeit führen können.

Bei einem Schlaganfall kommt es zu einem plötzlich einsetzenden Ausfall bestimmter Funktionen des Gehirns. Ursache dafür ist in den meisten Fällen eine zunehmende Veränderung von Blutgefäßen (z.B. Arteriosklerose) im Gehirn. Wenn die Ausfallerscheinungen länger als einen Tag (24h) auftreten, liegt ein vollendeter Schlaganfall vor. In diesem Fall ist es bereits zu einer bleibenden Schädigung des Nervengewebes gekommen. Bestehen die beobachteten Ausfallerscheinungen nur vorübergehend, spricht man von einer transitorisch ischämischen Attacke (TIA).

Typisch für den Schlaganfall ist das plötzliche Auftreten von Ausfällen, wie z.B. einer Lähmung, einer Unsicherheit beim Gehen oder auch Seh- und Sprachstörungen. In solchen Fällen muss schnell gehandelt werden. Der Patient ist unverzüglich zur ärztlichen Behandlung in ein Krankenhaus zu bringen. Auf akute Schlaganfälle spezialisierte Zentren sind die so genannten „Stroke Units", die an vielen internistischen und neurologischen Kliniken eingerichtet wurden. Hier arbeiten verschiedene Facharztgruppen und speziell ausgebildete Pflegekräfte eng zusammen, um dem Schlaganfall-Patienten eine optimale medizinische Versorgung bieten zu können. Zum Ärzteteam gehören in erster Linie Neurologen und Internisten, speziell Angiologen und Kardiologen.

Die Risikofaktoren und Warnzeichen eines Schlaganfalls

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für einen Schlaganfall. Die Hälfte aller Schlaganfall-Patienten ist älter als 70 Jahre. Neben dem Alter spielt auch das Geschlecht eine Rolle: Männer sind bis Mitte 80 deutlich häufiger von einem Schlaganfall betroffen als Frauen.

Weitere wichtige Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind:

• Bluthochdruck

Steigt der erste (systolische) Wert um 10 mm Hg, nimmt die Gefahr für einen Tod um 17% zu. Familiäre Belastung: Haben nahe Verwandte bereits vor dem 60. Lj. einen Infarkt erlitten, steigt das Risiko um das 2,5 bis 4,5 fache.

• Rauchen

Wer raucht hat ein 2-4 fach erhöhtes Risiko.

• Diabetes mellitus

Bei Männern 4 fach, bei Frauen 6 fach erhöhtes Risiko.

• Herzerkrankungen

(vor allem schwere Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern), ein überstandener Herzinfarkt oder Herzklappenfehler),

• Störungen der Blutgerinnung

• Fettstoffwechselstörungen

• Bestimmte Stoffwechselstörungen

• Übergewicht

Apfeltyp (Bauchform) 2,5 fach erhöhtes Risiko

• Schlafapnoe

• Vorkommen von Hirninfarkten bei Verwandten ersten Grades

• übermäßiger Alkoholkonsum

• Migräne

und langjährige Pillen-Einnahme bei Frauen

• andauernder Stress

• Bewegungsmangel

• Gefäßinnenhautdurchmesser Intima-Media-Komplex

Der Intima-Media-Komplex von 0,9 mm an den Halsgefäßen gilt in den Leitlinien der europäischen Gesellschaften für Hypertonie und Kardiologie (2003) als Endorganschaden.

Da die Verbreiterung von Intima-Media an der A. carotis als Vorstufe auf eine drohende oder evtl. sogar als Hinweis auf eine an anderen Gefäßabschnitten schon bestehende Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) betrachtet werden kann, sollten sämtliche Risikofaktoren für eine Arteriosklerose mit erhöhter Konsequenz behandelt werden.

Patienten, die bereits einmal oder mehrfach einen Schlaganfall erlitten haben oder bei denen durch eine Mangeldurchblutung (TIA) verursachte Ausfallerscheinungen vorübergehend aufgetreten sind, haben ein erheblich erhöhtes Schlaganfall-Risiko.

Warnzeichen

In vielen Fällen kommt ein Schlaganfall nicht aus heiterem Himmel, sondern kündigt sich durch Warnzeichen an.

Dazu gehören:

• Kurz andauernde Lähmung, Schwäche oder Taubheit einer Körperhälfte

• kurzes Erblinden auf einem Auge (Amaurosis fugax) oder Sehstörungen

(Doppelbilder sehen, Einschränkung des Gesichtsfeldes)

• kurzzeitige Sprachstörungen (d.h. Probleme, Sprache zu verstehen oder

Störung der Sprachfähigkeit)

• Drehschwindel, Gangunsicherheit, Gleichgewichtsstörungen, plötzliche Stürze

• erstmalig und plötzlich auftretende, extrem starke Kopfschmerzen

• vorübergehende Bewusstseinsstörungen oder Desorientierung in Bezug auf Raum, Zeit oder Personen

Diese Symptome treten bei bis zu 40% aller Schlaganfall-Patienten im Vorfeld eines Schlaganfalls auf. Sie beginnen immer plötzlich und können einige Minuten oder Stunden andauern, um anschließend wieder abzuklingen. Ausfallerscheinungen, die nicht länger als 24 Stunden anhalten, werden als transitorisch ischämische Attacke (TIA) bezeichnet.

Patienten mit solchen Warnzeichen sollten, auch wenn sie schon wieder abgeklungen sind, unverzüglich in ein Krankenhaus gebracht werden. Schnelligkeit ist hier das oberste Gebot. Die Vorstellung eines unbedeutenden, weil rasch abklingenden Geschehens (früher auch gerne als „Schlägle" verharmlost) gehört der Vergangenheit an. Eine sofortige ärztliche Behandlung kann unter Umständen einen vollständigen Schlaganfall verhindern oder zumindest seine Folgen begrenzen. Befindet sich eine „Stroke Unit" in der Nähe, sollte der Patient vorzugsweise dort ärztlich behandelt werden.

Die Symptome des Schlaganfalls

Die durch einen Schlaganfall verursachte Mangeldurchblutung im Gehirn führt in den meisten Fällen zu Lähmungserscheinungen, Gefühlsstörungen oder Gangunsicherheit. Der Betroffene kann plötzlich hinfallen und anschließend Lähmungen auf einer Körperseite aufweisen. Je nach Stärke des Schlaganfalls können leichte Lähmungen von Gesicht oder Arm bis hin zur kompletten Lähmung einer Körperhälfte (Halbseitenlähmung) auftreten. Im Gesicht kann sich die Lähmung durch einen einseitig herunter hängenden Mundwinkel bemerkbar machen. Ist die Zunge des Patienten gekrümmt und windet sich von einer Seite zur anderen, ist dies ebenfalls ein Akutzeichen eines Hirninfarkts.

Weitere Symptome eines Schlaganfalls können Sprachstörungen, Sehstörungen, Schluckstörungen, Schwindel, Gefühlsausfälle und in schweren Fällen sogar Bewusstseinsstörungen sein. So können die Patienten bei starken Schwindelgefühlen weder sitzen noch stehen. Das plötzliche Sehen von Doppelbildern oder der Ausfall der Sehfähigkeit nach einer Seite gehören zu den typischen Sehstörungen nach einem Schlaganfall. Sprachstörungen machen sich dadurch bemerkbar, dass die Patienten Gegenstände oder Personen nicht mehr mit den passenden Begriffen oder Namen benennen können. Zusätzlich zu den genannten Symptomen kann es zu starken, stechenden Kopfschmerzen kommen, die auch mit Übelkeit und Erbrechen verbunden sein können. Sie sind ein Hinweis darauf, dass eine Hirnblutung als Ursache des Schlaganfalls in Frage kommt.

Welche Ausfallerscheinungen bei den Patienten auftreten und wie stark sie sind, hängt in erster Linie von den betroffenen Gehirnregionen und dem Ausmaß der Gehirnschädigung dort ab. Dauern die Symptome mindestens 24 Stunden an, liegt ein vollendeter Schlaganfall vor. Zumindest ein Teil des Hirngewebes ist dann meist dauerhaft geschädigt. Bilden sich die Ausfallerscheinungen innerhalb von Minuten oder Stunden wieder zurück, liegt eine transitorisch ischämische Attacke (TIA) vor. Ob vollendeter Schlaganfall oder TIA, jedes Ereignis ist ein Notfall, und der Patient ist so schnell wie möglich in ein Krankenhaus einzuliefern. Am besten ist es, den Notarzt sofort zu verständigen und den Patienten mit Blaulicht ins Krankenhaus zu bringen. Je schneller er mit den richtigen Therapien behandelt wird, umso größer sind seine Chancen, dass sich die Symptome wieder möglichst vollständig zurückbilden